KULTURTIPS: CHIESA DI SAN FRANCESCO, ASSISI
Die Ordenskirchen San Francesco liegt am Nordostende von Assisi und throhnt majestätisch über einer weiten Ebene. Sie zählt ohne Zweifel insbesondere ihrer Fresken wegen zu den berühmtesten Kulturdenkmälern Europas und konnten nach dem schweren Erdbeben von 1997 weitgehend restauriert werden. Auch Ihr Schutzpatron rangiert noch heute ganz oben im Reigen der katholischen Heiligen. So haben Reisende kaum Chancen, den ehrwürdigen Ort mit Muße zu besuchen. Scharen von Pilgern und Kunstliebhabern überschwemmen die Stadt, es sei denn - Sie wählen einen jener strahlenden Tage jenseits der Saison, an denen Assisi nur seinen Bürgern und einigen einsamen Touristen gehört und Sie die die herrliche Aussicht über das umliegende Land und Schönheit der berühmten Fresken aus dem Leben des großen Ordensgründers in aller Stille betrachten können - nur ein allzu eifriger Wächter stört das Vergnügen ironischerweise durch seine unablässige lautstarke Mahnung zu "silenzio" (Ruhe).
Mit seinen Reformideen traf der leidenschaftliche Heilige den Nerv seiner Zeit. Insbesondere Jugendliche und Menschen, die unter dem Zerfall der Städte und der politischen und religiösen Verwirrung litten, schlossen sich in Scharen dem bekehrten Lebemann an und suchten in ländlicher Einsamkeit und Askese neue Wege zu innerer Einkehr.
So spektakulär die fromme Wandlung dieses stolzen Kaufmannssohnes und sein künftiges Leben im Dienste Gottes war, so herrausfordernd präsentierte sich das Thema für jene Maler die neben dem großen Giotto mit der Ausmalung der mächtigen Doppelkirche des jungen Ordens betraut wurden. Die Unterkirche und eigentliche Grabeskirche enstand im Kern zwischen 1227 und 39. Die auf diesem Fundament errichtete Oberkirche birgt im Langhaus neben Szenen des Alten und Neuen Testaments den herrlichen Zyklus der Franziskuslegende. Es fällt auch nach Stunden schwer, sich von diesem berührenden Reigen farbenprächtiger Szenen loszureissen, doch die ganze Stadt lohnt einen Blick.
Ein ausgedehnter Spaziergang in Richtung Piazza del Commune und darüber hinaus ist sehr zu empfehlen. Neben reizvollen Kirchen, Museen, Plätzen und Palästen vermitteln zahllose Andenkenläden mit den kuriosesten Devotionalien einen lebhaften Eindruck von der unverminderten Beliebtheit des Heiligen Franziskus und der Blüte, die seine Person der Stadt beschert.
Wer nach so viel Kultur hungrig ist und den Fußweg von ca. 20 Minuten außerhalb der Stadtmauern durch Obst- und Olivenhaine nicht scheut, sollte unbedingt im Ristorante La Stalla einkehren (natürlich ist das Restaurant auch mit dem Auto bequem zu erreichen). Hier serviert Benito viele Köstlichkeiten vom Holzkohlen-feuer, die in den rustikalen Steingewölben im Innern oder bei Sonnenschein auf der idyllischen Terrasse seines Restaurants genossen werden können, das einst - wie der Name sagt - geräumige Viehställe beherbergte. Als krönenden Abschluß des Menüs sollten sich Liebhaber eines Dolce unbedingt die hausgemachte Crême Brulée gönnen, die ihres Gleichen sucht. Man muß es mit der Askese auf den Spuren von San Francesco ja schließlich nicht übertreiben!
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